oder: Ist das Leben in Lateinamerika wirklich
freudvoller als in Deutschland?
Lima
Dez 2007
- Stadt ohne Regen, Stadt ohne Schatten (wegen
verwolkter Sonne)
- Idealisierung der Heimat, diesbezüglich
erwartete Enttäuschungen traten nicht ein. Vielleicht sind 3 Monate zu kurz
dazu?
- Ankunft: Alles fremd, und dennoch vertraut.
Ich bin Fremder, habe Akzent.
- Chaos: Overdosis von Inputs -> trotzdem
entspannend (zu spät kommen ist kein Druck, usw.)
- Essen: ungehörte Zutaten, alles frisch, ging
4 Bananen (süß, sehr weich, ohne sandigen Geschmack) um die Ecke einkaufen.
- Lucuma Eis – Pisco Sour, Coca Tee
- Kreativität-fördernd, Ideen tauchen konstant
auf (wie bei meinem Freund Ulises)
- Das Dunkle: desesperanzador = die Hoffnung
wird erstickt – aber die vom wem? Die meine, wenn ich die schwierige
Lebenslagen sehe, die meine als einer von außen?
- Strassenkinder. Der kurze Kontakt mit ihnen
kann freudvoll, gar spielerisch sein. Aber oft sind sie auch abgebrüht. Traurig
zu merken.
- Meine Erwartung menschlicher Kontakt: gibt
es wirklich weniger Blickkontakt in Deutschland? Gleichsam hier auf jeden Fall mehr
Aufmerksamkeit. Freundliche Grundeinstellung (in Worten meiner Mutter, die als
Deutsche vor 40 Jahren eingewandert ist). Es ist viel leichter, einer Gruppe
(zB Unterhaltung) beizutreten.
- Wie kann ich denn immer noch meine Eltern vermissen,
wenn ich mit ihnen bin? Bin im Zimmer, sehe ein altes Spielzeug (besser gesagt,
die Bauanleitung dazu), bin ergriffen wegen meinen Eltern, Tränen in den Augen,
und unterdrücke das Schluchzen, um sie nicht aufzuwecken, da sie nebenan
schlafen...
Des Weiteren:
Wunderschöne Unterhaltungen mit Taxifahrer.
Thema Kurzfristigkeit, mini Logbuch:
• Freunde luden mich am 22 nachmittags für
eine Grillparty am nächsten Tag um 17 ein. Ich sagte ich könnte wahrscheinlich
nicht. Würde es aber versuchen.
• Am nächsten Tag machte ich
Weihnachtsplätzchen bis 19:30, traf mich dann 2 st (von 21-23) und rief dann
erst bei den Freunden an, um zu sehen, wohin sie gegangen waren. Die Grillparty
ging weiter. Und sie erwarteten mich.
• Der Taxifahrer, kurz vor dem Haus, erkannte
das er Freund der Familie war – ich hätte gleich den Namen des Freundes sagen
können.
• Dort sagte mir meine gute Freundin Cristina,
die Party wäre wegen mir!
• Die Musik, zu denen sie sangen, war die des
Nachbarn, der bis 2 am laut Musik hatte, aber man sang mit und wenn die Lieder
nicht gefielen, machte man Witze darüber. Und war laut im Garten bis man sich
um 2 auflöste.
Also, in Vergleich mit Deutschland: nicht nur,
dass die Polizei nicht wegen eigenem Krach kommt – man ruft sie auch nicht
wegen des Kraches des Nachbarn, eher umgekehrt, die laute Musik des Nachbarn
nimmt man, wie sie kommt, entweder mit Freude, mitsingend, oder darüber
mokierend, spaßend = auch mit Freude. Beispiel einer anderen Lebenseinstellung.
Nun hänge ich hier in der Hängematte, es ist
warm, die Vögel zwitschern , und ich frage mich, - ja, was Frage ich mich? Ich
denke, dies ist Leben. Es ist besser in Peru? Kann ich wirklich sagen, dass die
Lebensqualität wegen des Menschlichen besser hier ist (wie meine Mutter, um die
80, seit 40 Jahren eingewandert)? Wird es etwa so sein wenn ich hier selber
wohne, oder hängt es am Haus meiner Eltern? Werde ich auch einen Garten haben, Platz
für eine Hängematte? Auf jeden Fall Sonne...
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